Warum wir heiraten
Kerstin Ich erwähnte schon, dass ich der festen Überzeugung war, in diesem Leben nicht noch einmal zu heiraten.

Sicher wird es Einige geben, die sich jetzt heimlich fragen, warum ich meine Meinung geändert habe. Es gibt, wie so oft, nicht nur einen Grund. Inzwischen habe ich so an die 365 und ein paar mehr gefunden. Ein kleines Büchlein haben sie schon gefüllt...
Nicht dabei sind "das Alter", "die Rente", "wird Zeit, dass ich noch was abkriege" und was sonst noch gern vermutet wird, wenn Frauen in den besten Jahren sich noch mal trauen. Hingegen gibt es z. B. "…weil jeder Morgen mit dir mit einem Lachen beginnt", "…weil du mir vertraust", "…weil ich mich noch nie so gut aufgehoben fühlte wie bei dir".

Um die Essenz aller Gründe zu beschreiben, muss ich fremde Worte bemühen, denn treffender könnte ich nicht ausdrücken, was Andreas mir bedeutet, mir jeden Tag auf's Neue schenkt:
Ich liebe dich nicht darum, weil du so bist,
sondern weil ich so bin, wenn ich bei dir sein kann.
Ich liebe dich nicht wegen all dem, was du alles aus dir gemacht hast,
sondern für das, was du aus mir machst.
Ich liebe dich um meines besseren ICH willen,
das du hervorzukehren weißt…
Ich liebe dich, weil du Hand anlegst an mein übervolles Herz
und alle Leichtfertigkeiten und Schwächen übersiehst,
die man nicht übersehen kann, und dafür alles,
was schön und gut ist, zum Vorschein bringst,
das zu finden kein anderer tief genug geblickt hat…
Ich liebe dich, weil du deine Ohren vor den Missklängen in mir verschließt
und stattdessen durch ehrfürchtiges Lauschen die Musik in mir verstärkst.
Ich liebe dich, denn du hilfst mir, auf dem Bauplatz meines Lebens
nicht ein Gasthaus, sondern einen Tempel zu errichten,
so wie du auch mithilfst, dass meine täglichen
Worte nicht Vorwurf, sondern Gesang sind.
Ich liebe dich, weil du mehr zu meinem Glück beigetragen hast,
als irgendein anderer hätte tun können,
und du tatest es ohne eine Berührung, ohne ein Wort, ohne ein Zeichen.
Du tatest es einfach dadurch, dass du du selbst bist.
Und wahrscheinlich ist es das,
was man unter Freundschaft versteht.
(Erich Fried)

Andreas Ob Heiraten antiquiert ist vermag ich nicht zu sagen. Mein persönlicher Entschluss zu heiraten entspringt weder christlichen Traditionen noch einem ‹Legalisierungswillen›.

Ich bin an einem Punkt, an dem ich fühle, dass Heiraten einfach das Richtige ist. Dieses Gefühl entspringt der Sicherheit, diesen Schritt in Zukunft niemals zu bedauern… egal, wie sich diese Zukunft entwickelt mag.

Und wenn ich in 20 Jahren morgens aufwache und Kerstin neben mir liegen sehe und ich sie zärtlich wecken kann, um einem neuen Tag entgegen zu sehen, dann weiß ich, dass ich immer noch der glücklichste Mensch auf Erden bin.